In den Materialwissenschaften bezeichnet Agreement das Maß an Übereinstimmung zwischen verschiedenen quantitativen Informationen über ein Werkstoffverhalten. Typische Konstellationen sind: (1) Übereinstimmung zwischen Messdaten verschiedener Experimente (z.B. Zugversuch vs. instrumentierte Eindringprüfung), (2) Übereinstimmung zwischen Simulation und Experiment (z.B. Finite-Elemente-Simulation der Spannungs-Dehnungs-Kurve), sowie (3) Übereinstimmung zwischen verschiedenen Modellen oder Auswerteverfahren.
Ein hohes Maß an Agreement ist Voraussetzung für die Verlässlichkeit von Werkstoffkennwerten und Modellen, etwa bei Lebensdauervorhersagen, bruchmechanischen Bewertungen oder der Kalibrierung konstitutiver Gesetze. Wissenschaftlich wird Agreement nicht qualitativ, sondern mit statistischen Kenngrößen beschrieben, z.B. Korrelationskoeffizienten, Konfidenzintervallen, Bland-Altman-Analysen oder Fehlermaßen wie RMSE und MAPE. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Agreement und bloßer Korrelation: Zwei Datensätze können stark korrelieren, ohne numerisch übereinzustimmen (systematische Verschiebung, Skalierungsfehler).
In der Praxis umfasst die Bewertung des Agreements eine sorgfältige Berücksichtigung von Messunsicherheit, Probenstreuung, Modellannahmen und Randbedingungen. Abweichungen werden häufig genutzt, um Defizite in Materialmodellen, Schädigungsansätzen oder experimentellen Setups zu identifizieren. Damit ist Agreement ein zentrales Qualitätskriterium für die Entwicklung, Validierung und Standardisierung werkstofftechnischer Methoden und Kennwerte.
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