Tracking bezeichnet in den Werkstoffwissenschaften die zeitaufgelöste Verfolgung von Objekten, Zustandsgrößen oder Grenzflächen in Raum und/oder Zeit. Ziel ist es, die Entwicklung von Mikrostrukturen, Phasenfronten, Defekten oder Probenpositionen quantitativ zu erfassen und daraus mechanistische Modelle abzuleiten.
Ein wichtiger Anwendungsfall ist die Frontverfolgung, bei der sich bewegende Grenzflächen – etwa Erstarrungsfronten, Diffusionsfronten oder Rissspitzen – in In-situ-Experimenten oder Simulationen identifiziert und über die Zeit verfolgt werden. Hierbei kommen Bildverarbeitungs- und Segmentierungsalgorithmen (z.B. Level-Set-, Phase-Field- oder Kontur-Tracking-Verfahren) zum Einsatz, um die Frontposition mit hoher räumlicher Auflösung zu bestimmen.
Unter Positionsverfolgung versteht man typischerweise das Tracking von Partikeln, Korngrenzen, Ausscheidungen oder ganzen Proben in mikroskopischen oder tomographischen Datensätzen. Partikel-Tracking-Algorithmen erlauben etwa die Bestimmung von Diffusionskoeffizienten, Kriechwegen oder Reorientierungen unter Last. In der Robotik-gestützten Prüftechnik wird Tracking zur präzisen Nachführung von Messköpfen und Strahlspots genutzt.
Abzugrenzen ist dies von der Materialverfolgung im Sinne der Rückverfolgbarkeit von Chargen und Prozessschritten entlang der Wertschöpfungskette, die vor allem qualitäts- und sicherheitsrelevant ist. Im engeren wissenschaftlichen Kontext beschreibt Tracking dagegen primär die quantitative, oft automatisierte Verfolgung physikalischer Objekte oder Felder zur Analyse von Struktur-Eigenschafts-Beziehungen.
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