Der Begriff Industrie bezeichnet im werkstofftechnischen Kontext das organisierte, meist großskalige Herstellen, Weiterverarbeiten und Veredeln von Gütern auf Basis technischer Werkstoffe. Industrie bildet die Schnittstelle zwischen werkstoffwissenschaftlicher Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Produktion, etwa in der Automobil-, Luft- und Raumfahrt-, chemischen oder pharmazeutischen Industrie sowie der Öl- und Gasindustrie.
Aus werkstofftechnischer Sicht ist Industrie durch standardisierte Prozesse, qualitätsgesicherte Fertigung und strenge regulatorische Rahmenbedingungen (z. B. Normen, Zertifizierungen) gekennzeichnet. Werkstoffauswahl, -entwicklung und -charakterisierung müssen dabei an ökonomische, ökologische und sicherheitstechnische Anforderungen angepasst werden. Themen wie Korrosionsschutz in der Erdölindustrie, Hochtemperaturwerkstoffe in der Energieerzeugung oder sterile, biokompatible Materialien in der pharmazeutischen Industrie sind typische Beispiele.
Mit Konzepten wie Industrie 4.0 und Industrie 5.0 verschiebt sich der Fokus hin zu digital vernetzten, adaptiven und zunehmend nachhaltigen Produktionssystemen. Für die Werkstofftechnik bedeutet dies eine stärkere Integration von Prozesssensordaten, datengetriebener Werkstoffmodellierung und lebenszyklusorientierter Betrachtung (Design for Recycling, CO₂-Fußabdruck). Industrie fungiert damit nicht nur als Anwender, sondern auch als Treiber für neue Werkstoffklassen, prozessangepasste Mikrostrukturen und zuverlässige Lebensdauervorhersagen.
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