In der Werkstoffwissenschaft bezeichnet der Begriff Gitter (engl. lattice) die ideale, periodische Anordnung von Punkten im Raum, welche die Translationssymmetrie eines Festkörpers beschreibt. Jedem Gitterpunkt ist typischerweise ein oder mehrere Atome (Basis) zugeordnet; zusammen definieren Gitter und Basis die Kristallstruktur, etwa kubisch-raumzentriert (BCC), spinell‑strukturiert oder andere komplexe Strukturen.
Das Gitter wird durch die Gitterparameter bzw. Gitterkonstanten beschrieben: die Längen der Basisvektoren und die eingeschlossenen Winkel. Diese bestimmen das Volumen der Elementarzelle, die Packungsdichte, die möglichen Gleitsysteme und damit zentrale makroskopische Eigenschaften wie Festigkeit, Duktilität und Diffusionsverhalten.
Neben atomaren Kristallgittern hat sich der Begriff auf architektonische Gitterstrukturen auf mesoskopischer Skala erweitert. Additiv gefertigte Mikrolattices aus z.B. Kupfer oder Titan nutzen periodische Balken‑ oder Schalenarchitekturen zur gezielten Einstellung von Steifigkeit, Energieabsorption und spezifischer Oberfläche. Hierzu zählen auch TPMS‑Gitterstrukturen (Triply Periodic Minimal Surfaces) wie Gyroid‑Gitter, die durch eine kontinuierliche, minimal gekrümmte Oberfläche gekennzeichnet sind und günstige mechanische und transportbezogene Eigenschaftskombinationen bieten.
Hybride Gitter integrieren unterschiedliche Motive oder Materialkombinationen auf Gitterebene, um funktional gradierte oder multiskalige Eigenschaften zu realisieren. In allen Fällen bleibt der zentrale Gedanke die gezielte Nutzung periodischer (oder quasi‑periodischer) Ordnungsprinzipien, um Struktur‑Eigenschafts‑Beziehungen vom atomaren bis zum makroskopischen Maßstab zu kontrollieren.
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