Unter Wiederverwendung (Reuse) wird im wissenschaftlich‑technischen Kontext die mehrfache Nutzung von Daten, Materialien oder Prozessressourcen für denselben oder einen neuen Zweck verstanden, ohne dass eine vollständige Rückführung in den Rohstoffkreislauf (Recycling) erfolgt. In den Materialwissenschaften umfasst dies insbesondere die Reuse von Versuchs- und Simulationsdaten, von Bauteilen in einer Zweitnutzung sowie von Einsatzstoffen wie Metallpulvern in der Additiven Fertigung.
Die Datenwiederverwendung spielt eine zentrale Rolle für reproduzierbare Forschung und datengetriebene Werkstoffentwicklung. Voraussetzung sind hohe Datenqualität, standardisierte Metadaten und klare Lizenzierung (FAIR-Prinzipien), um Wiederverwendungspotenzial und tatsächliche Wiederverwendung quantitativ bewerten zu können.
Bei Stoffen beschreibt das Wiederverwendungspotenzial die Fähigkeit eines Materials, nach einer ersten Nutzung mit akzeptablen Eigenschaftsänderungen erneut eingesetzt zu werden. Dies wird durch Wiederverwendbarkeit operationalisiert, die technisch (z.B. Degradation, Verunreinigungen), ökonomisch und regulatorisch bestimmt ist. Ein prominentes Beispiel ist die Titanpulverwiederverwendung im pulverbettbasierten Laserschmelzen. Hier limitieren Sauerstoffaufnahme, Kornvergröberung und Partikelmorphologie die Anzahl der zulässigen Pulverkreisläufe, bevor eine partielle oder vollständige Aussortierung erforderlich wird.
Zweitnutzung (Second Use) von Bauteilen adressiert die Verwendung gebrauchter Komponenten in weniger kritischen Anwendungen, etwa Strukturbauteile mit reduzierten Anforderungen. Reuse-Konzepte sind damit integraler Bestandteil zirkulärer Wertschöpfung, erfordern jedoch detaillierte werkstoffkundliche Charakterisierung und lebensdauergestützte Bewertungsmethoden.
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